Artikel » Grenke-Chess » Levon Aronian übernimmt Führung bei der GRENKE Chess Classic Artikel-Infos
   

Grenke-Chess   Levon Aronian übernimmt Führung bei der GRENKE Chess Classic
19.04.2017 von Georgios Souleidis

Die GRENKE Chess Classic zogen von Karlsruhe nach Baden-Baden und nach einem Ruhetag ging es weiter mit der vierten Runde. Im nominellen Spitzenkampf trennten sich Magnus Carlsen und Fabiano Caruana unentschieden, doch die restlichen Partien boten reichlich Spektakel. Levon Aronian übernahm durch einen Sieg gegen Matthias Blübaum die Führung im Turnier. Der armenische Großmeister profitierte von der gleichzeitigen Niederlage Hou Yifans gegen Maxime Vachier-Lagrave. Arkadij Naiditsch verpasste die gemeinsame Führung mit Aronian. Im Duell mit Georg Meier besaß er Gewinnchancen, musste sich aber letztendlich mit der Punkteteilung zufrieden geben.

Die Runde begann mit einer Soloeinlage von Magnus Carlsen. Der Weltmeister war vor seiner Partie gegen Fabiano Caruana deutlich früher am Spielort als seine Gegner und nutzte die Zeit für eine längere Konzentrationsphase.
Caruana wählte die Russische Verteidigung, doch Magnus Carlsen transformierte die Stellung durch eine ungewöhnliche Zugfolge zu einem "Abtausch-Franzosen". Dank einer weiteren Transformation durchbrach der Weltmeister sofort die symmetrische Struktur. Nach dem Damentausch im 14. Zug ließ sich Carlsen zu einem übereilten Springerzug am Damenflügel hinreißen, der Caruana keine Probleme bereitete.
"15.Sb5 war ein Fehler. Ich wüsste nicht, warum ich danach noch besser stehen sollte", meinte der 26-jährige Norweger in der Pressekonferenz leicht verärgert. Mit einer taktischen Wendung gewann Carlsen trotzdem einen Bauern, doch die eigene Struktur war zerklüftet und spätestens im Endspiel mit zwei Türmen und ungleichfarbigen Läufern war klar, dass die Partie heute ein friedliches Ende nehmen wird. Der Rest ging beiden Akteuren schnell von der Hand und nach 40 Zügen und gerade mal 2,5 Stunden Spielzeit endete die Partie mit einer dreimaligen Stellungswiederholung.
Caruana zeigte sich anschließend auch mehr über alltägliche Dinge besorgt:"Ich hoffe das Wetter wird besser."

Levon Aronian ist ein ganz heißer Kandidat auf den Turniersieg. In der 4. Runde gelang ihm der zweite volle Punkt in Folge. Gegen Matthias Blübaum fiel seine Eröffnungswahl mit Schwarz spontan aus: "Ich konnte mich vor der Partie nicht entscheiden, was ich spielen soll. Die Tschebanenko-Variante der Slawischen Verteidigung wählte ich dementsprechend am Brett aus."
Blübaum leistete sich schon ausgangs der Eröffnung einen unbedachten Bauernzug, anstatt im Zentrum aktiv zu werden, und schon begannen die Probleme für den jungen deutschen Spieler. Aronian transformierte die Stellung im Zentrum zu seinen Gunsten und verpasste Weiß einen Isolani. In der Folge verbesserte er seine Figurenstellung und gewann den schwachen Bauern auf d4.
Blübaum hätte jetzt nur noch eine perfekte Verteidigung vor einer Niederlage retten können, doch unter Zeitdruck landete er in einem verlorenen Turmendspiel. "Schlechter als heute kann ich gar nicht mehr spielen", meinte der 20-jährige Lemgoer im Anschluss.
Maxime Vachier-Lagrave holte Hou Yifan auf den Boden der Tatsachen zurück. In einer Spanischen Partie diskutierten die Spieler eine lange forcierte Variante, wonach der französische Großmeister mit der besseren Struktur und der besseren Leichtifigur ein leicht besseres Endspiel auf dem Brett hatte.
Die 23-jährige Chinesin verteidigte sich bis zum 49. Zug hervorragend, ließ dann aber in äußerst schwieriger Stellung einen freien Randbauern auf der h-Linie zu, weil sie davon ausging, dass die Stellung mit dem verbliebenen Material remis sein müsste. Vachier-Lagrave verpasste den sofortigen Gewinn, Hou Yifan verpasste ihrerseits aber eine studienartige Rettung. Stattdessen kreierte "MVL" auf der anderen Seite einen Freibauern, der mit Unterstützung des starken Läufers und des Königs unaufhaltsam zur Dame lief.
Arkadij Naiditsch wäre beinahe mit Levon Aronian an der Spitze gleichgezogen. Nach einer sehr spannenden Partie gegen Georg Meier, in der Naiditsch gute Chancen auf den Sieg hatte, teilten sich die Großmeister den Punkt. Naiditsch wählte das momentan bei Amateuren und Profis sehr beliebte Londoner System. In einer ungewöhnlichen Mittelspielstellung, in der beide Spieler mit ihrem König in der Brettmitte verblieben, kam es erst im 18. Zug zum Tausch einer Figur.
Meier besaß Vorteil am Damenflügel, während Naiditsch sein Glück am Königsflügel suchte. Dank einer schönen Geometrie kam es zum Tausch der Damen und zum Übergang ins Endspiel. Hier stand der für Aserbaidschan startende Großmeister aktiver und eroberte einen Bauern. Er hätte sich noch einen zweiten Bauern einverleiben können, ließ aber gefährliches Gegenspiel zu.
Das nutzte Meier aus, um im Turmendspiel seinen König zu aktivieren und plötzlich sogar von der totalen Wende zu hoffen. Ein Sieg für den deutschen Nationialspieler wäre aber letztendlich zu viel des Guten gewesen. Nach fast sechs Stunden einigten sich die Akteure auf remis.
Die fünfte Runde der GRENKE Chess Classic beginnt am Donnerstag den 20. April um 15 Uhr. Kann Arkadij Naiditsch an der Spitze Levon Aronian mit Schwarz herausfordern? Schlägt Hou Yifan zurück im Rennen um den Turniersieg? Und kann Magnus Carlsen seine Remisserie mit einem Sieg beenden?


Aronian, Levon - Naiditsch, Arkadij
Hou, Yifan - Bluebaum, Matthias
Caruana, Fabiano - Vachier-Lagrave, Maxime
Meier, Georg - Carlsen, Magnus


Druckansicht   druckbare Version anzeigen
Seite empfehlen   Seite empfehlen
0 Kommentar(e)   kommentieren
Wertung ø 1,00
1 Stimme(n)
Seitenanfang nach oben